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Das sind doch nicht wir! Grau, schmucklos & selbstreinigend.

Die für Bürger ausgestellten Pflaster waren bis auf das rote im Bild allesamt in Grautönen.
Eines der vielen grauen Pflaster heißt bezeichnenderweise „Park Avenue – stahlgrau“.

Die Bürgerbeteiligung zur zukünftigen Gestaltung der Gelderner Innenstadt war bislang weder repräsentativ, noch wirklich informativ zum grundsätzlichen Verständnis und zukünftigen Selbstbild der Kommune.
Aber es kann ja noch besser werden. Doch die Zeit läuft.


Geldern soll eine natürliche Land-Leben-Stadt bleiben.

„Grau, schmucklos und selbstreinigend:
Das sind doch nicht wir!“

Gut, dass die Stadt die Bürger fragt. Schade, dass die Einladung zum Infotag wohl nicht alle Zielgruppen erreicht hatte. Schade auch, dass die drei verschiedenen Infogruppen zeitgleich angeboten wurden. Und ebenfalls schade, dass es keine Information zum Selbstbild Gelderns oder dem demografischem Wandel gab. Da war ein repräsentatives Bild der Zukunft dann irgendwie von vornherein ausgeschlossen.

So trafen sich fast nur die etwas älteren Semester. Etwa 15 -20 in jeder der parallel laufenden  Themengruppen. Die jungen Gelderner und die in höheren Alter fehlten hier. Doch gerade für diese beiden Bürgergruppen ist die kommende Umgestaltung der Innenstadt entscheidend. Für die einen, da die jetzige Planung Maßstäbe der nächsten 30 Jahre setzen soll, für die anderen, da sie immer mehr mit Einschränkungen leben müssen, sei es nun Alters-Sehschwäche oder Gehbehinderung.

Die „Best-Ager“ die gekommen waren, wurden etwas enttäuscht. Die Vorauswahl der Materialien war ebenso eingeschränkt, wie der Planungsspielraum.

Dunkelroter Steinboden wurde als sommerlicher Hitzespeicher in die „Wohl kaum machbar“ Ecke gestellt und fand sich dann auch in den Exponaten nicht wirklich wieder. Dort herrschte  Grau in etlichen Variationen vor. Ähnlich schlichte und unauffällige Eleganz gab es auch bei Sitzmöbeln und Straßenlaternen. Graue schmale Stabformen dominierten jegliche Vorauswahl. Eine Weiterverwendung der vorhandenen älteren Doppellaternen mit einer Leuchtmittelumrüstung wurde irgendwie  kategorisch ausgeschlossen. Schließlich gibt es für eine Umrüstung auch keine Fördermittel, auch wenn sie letztendlich billiger sein könnte.

Diese Form der Bürgerbeteiligung brachte ein Team der WDR-Lokalzeit live zum Ort. In Interviews gab es dann aber durchaus kritische Stimmen der Gelderner Bürger. Tenor: So schmucklos und grau – das sind doch nicht wir. Dem schließe ich mich an.

Mein persönlicher Eindruck:

Es geht hier um die Gestaltung der Schlüsselprojekte 1 und 2. Darin sind die beide neuen Kaufhäuser. Also der Bereich an der Berufsschule für ein geplantes Edeka-Kaufhaus und der um die ehemalige Woolworth-Liegenschaft, die H&M aufnehmen soll.

Hier wird möglicherweise ja graue, schlichte Eleganz des Straßenbildes von Investoren gern gesehen. Und diese Bereiche sollen ja als erstes konkret neu gestaltet werden. Der größere Teil der Umgestaltung und insbesondere nördlich von Markt und Issumer Straße hingegen scheint nach Aussagen der Planer noch deutlich unsicher was Terminlage und Realisierung angeht. Da wird es zusätzlicher Gelder bedürfen, die heute noch nicht geplant sind.

Mir stellen sich Fragen:
Reicht dies alles also für die Gestaltung des gesamten innerstädtischen Raumes einer „Land-Leben-Stadt“? Sind hier nicht eher andere Kriterien gefragt?
Kann das Bodenpflaster nicht doch rot sein? Denn so speichert es schön die frühen und späten Sonnenstrahlen im Frühling oder Herbst. Und wirklich heiß ist es bei uns eh nur an ein paar Sommertagen.
Muss wirklich alles gleich weggeschmissen und neu gemacht werden, was sich lange bewährt hat? Manchmal reicht eine Nachrüstung oder Überholung, auch wenn es dafür keine Fördergelder gibt.
Und braucht schlussendlich nicht das Landleben eine gehörige Portion Natürlichkeit? Bäume und Grün brauchen zwar Pflege und bieten Vögel Platz. Doch wer nach Geldern hineinfährt wird mit Fahnen der „Land-Leben-Stadt“ begrüßt und da sollte er eigentlich nicht in einer grauen, schmucklos gestylten Designer-Steinwüste mit den ewig gleichen Franchise-Outlets ankommen.

Mein Vorschlag:
Nehmen wir uns doch Zeit für so ein Generationenprojekt unserer Stadt und nutzen die Instrumente der Marktforschung und des Marketing.

Also werte Mitglieder des Bauplanungsausschusses:
Bitte holt uns Gelderner Bürger mit mehr Informationen da ab, wo wir sind.  Fragt genauer, was wir gemeinsam für die Zukunft in unserer „Land-Leben-Stadt“ Geldern wollen.

Und noch eine Bitte:
Gebt uns Bürgern vor der Befragung mehr Informationen, was wann wie passieren soll und auch, welche Kosten auf uns Anlieger zukommen.

Herzlichst als Bürger aus Geldern

Michael Freienstein

Medienverweise:
Integriertes Handlungskonzept für die Innenstadt von Geldern
erstellt von Junker&Kruse Juni 2013
https://www.geldern.de/C125721A002E05DC/files/ihk_geldern.pdf/$file/ihk_geldern.pdf?OpenElement

Weitere Termine dazu:

Dienstag, 26.04.2016 – Sitzung Bauplanungsausschuss 18:00 Uhr im Bürgerforum