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Willkommenskultur in Geldern: Bessere Integration durch kommunikative Isolation?

Via Internet kostengünstig in die Heimat telefonieren – für viele Mitmenschen in der Fremde ein Bedürfnis. Für Menschen auf der Flucht vor Krieg und Krisen ganz besonders. Deutsch ohne finanziellen Aufwand online lernen, auch ohne erst nach Monaten genehmigten Sprachkurs – für viele Flüchtlinge wirklich hilfreich. Im niederrheinischen Geldern schien alles bestens für die Flüchtlinge in Sammelunterkünften, obwohl sie als „Untergebrachte“ und Nicht-Mieter kein eigenes Internet anschließen lassen dürfen.
Die technischen Voraussetzung lagen überwiegend vor. In einer ersten Unterkunft war dank privater Initiative und einer kooperativen Stadtverwaltung nach rechtlicher Prüfung bereits ein Präzedenzfall geschaffen. Es lief gut. Das Modell sollte auf andere Sammelunterkünfte übertragen werden. Doch dann kam alles anders als gedacht.

Ein Antrag, der kommunale Haupt-, Sozial- und Finanzausschuss möge beschließen, „die Verwaltung zu beauftragen, in allen städtischen Flüchtlingsunterkünften der Stadt Geldern in den nächsten sechs Monaten freies und kostenloses W-Lan bereitzustellen.“ wurde dort mit 8 : 7 Stimmen abgelehnt. Das Protokoll der Sitzung vom 11.06.2015 ist nunmehr öffentlich zu lesen. Die dort festgehaltenen Argumente verblüffen:
Zu lesen sind dort Argumente wie
„…. dass Integration und Heimatkommunikation nicht ganz zusammen passen ….“
und
„…. Flüchtlinge sollten nicht vor dem Internet sitzen sondern raus unters Volk gehen. …“ Zudem wird von einem Ausschussmitglied festgestellt, dass freies und kostenloses Internet für eine bestimmte Gruppe gefordert wird und er fragt, ob hier anders verfahren wird als bei anderen öffentlichen Leistungsbeziehern. Er fragt weiter, was diese Gruppe besser stellt.

Ist dies also in der Lebenswirklichkeit die Willkommenskultur, von der unser Bundespräsident zum Weltflüchtlingstag sprach? Kommunikative Isolation von der Heimat und alternativ ein Gang über den Gelderner Marktplatz, wo die Sprachbarrieren zur heimischen Bevölkerung riesig sind. (Offizielle Deutschkurse gibt es ja erst nach monatelangem Warten auf Anerkennung und ein Lernen über freies Internet soll ja aus Sicht der kommunalpolitisch Verantwortlichen nicht sein.)

Da ist ein Gelderner Bürger, der öfter Kontakt zu Flüchtlingen hat, doch erstaunt. Online-Sprachkurse und möglichst einfache Kommunikation mittels Internet in die Heimat erschienen doch eigentlich immer psychisch stabilisierend und integrationsfördernd.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Doch eine Frage stellt sich:
Haben die politisch Verantwortlichen mit christlich demokratischen Grundwerten hier gute Chancen grundlos vertan? Denn es gibt für freies Internet in Sammelunterkünften eigentlich ja keine technischen, rechtlichen oder finanziellen Probleme …

Link zum Quellen-Ratsprotokoll
Bitte oben auf den Link klicken. Ursprüngliche Adresse war https://agendaservice.net/ratsinfo/geldern/852/b2VmZmVudGxpY2hlcyBQcm90b2tvbGwgRG9rdW1lbnQ=/9/n/37701.doc

Nachtrag 15.09.2010:
Die CDU-Fraktion in Geldern hat mir nach Überprüfung ihrer Informationslage zum Thema heute mitgeteilt, dass sie nun der Meinung ist, dass „die Einrichtung von freiem WLAN in den Gelderner Sammelunterkünften eine Notwendigkeit ist. Einem neuen Antrag würden wir somit zugstimmen.“
Einen entsprechenden Bürgerantrag habe ich heute beim Bürgermeister eingereicht und hoffe auf eine positive Abstimmung zum Thema.

Nachtrag 24.09.2015
Der Rat der Stadt Geldern hat in seiner aktuellen Sitzung den Bürgerantrag für eine Einrichtung von freiem WLAN in allen Sammelunterkünften für Flüchtlinge einstimmig angenommen. Ich denke, nun haben alle gewonnen – insbesondere die Flüchtlinge in ihren Sammelunterkünften. Sie können jetzt ohne immense Handykosten in die Heimat telefonieren und haben Zugriff auf elektronische Übersetzer- und Lernprogramme.