Archiv für den Monat: November 2012

Der unsichtbare Blutfleck auf meiner Jeans

Derzeit häufen sich die Meldungen über Tote in asiatischen Bekleidungsfabriken. Gerade noch waren es über 100 Tote bei einem Brand in Dhaka/Bangladesh. Im September starben fast 300 Arbeiterinnen und Arbeiter in Karatschi/Pakistan. Gestern brannte wieder eine Fabrik.

Die Kleidung, die sie dort machen, ist auch für uns. Wir kaufen sie bei multinational agierenden Unternehmen. Entscheidendes Kriterium ist der Preis. Sicherheit aber kostet Geld. Und da haben wir nun ein Problem.

Wie bekommen wir es hin, hier gute Kleidung kaufen zu können, ohne dass woanders Menschen dafür sterben? Schließlich sagt wohl keiner gerne „Meine Jeans hat Menschenleben gekostet.“

Im Vorschlag ist da derzeit die „unternehmerische Verantwortung“ als Lösung. Ein durchaus guter Vorschlag, wenn nur der Kunde nicht so auf den Preis schauen würde. Da kommen dann doch wieder Dumping-Preise bei raus.

Aber was ist mit Gütesiegeln im Handel?
Wie ein „Fair Trade“ Kaffeesiegel könnte doch auch „Fair Made“ Bekleidungssiegel dem Kunden bekannt gemacht werden.
Was ist mit politischen Lösungen?
Wir haben EC-Normen für Produkte. Können diese nicht auch regelnd auf den Herstellungsprozess ausgeweitet werden?
Was ist mit der Entwicklungszusammenarbeit?
Könnten wir nicht auch für die Herstellung ein klein wenig mehr deutsches TÜV-Know How und dessen politische Umsetzung exportieren?

Klar – meine Hose würde dann teuerer. Aber ich könnte sie ja einfach mal ein paar Monate länger tragen, dann wäre der Preis der alte. Mir persönlich ist jedoch eine saubere alte Jeans allemal lieber als eine neue mit Blutflecken (auch wenn man sie nicht sieht).

Mein Samsung TV „Turned off Tomorow“

Nach knapp 2 Jahren nur noch
triple B-Ware –
bleich und blass wie B-Movies

Vor etwa zwei Jahren kam der neue Fernseher. Marke: Samsung. Flach, groß, elegant und mit Netzwerk-anschluss. Das Beste aber war die tolle Farbwiedergabe.
„I turned on tomorrow“ – wie Samsung so schön wirbt. Ich hatte die Zukunft eingeschaltet. Doch dann nach knapp zwei Jahren dies: Das Gerät schaltete sich plötzlich selbstständig aus und wieder ein. Ich dachte an einen Kinderscherz mit der Fernbedienung. Doch der „Scherz“ kam bald öfter vor und das Gerät schaltete sich immer wieder aus und wieder ein und wieder aus und wieder ein und wieder aus und wieder ….
Tomorrow was turned off. Meine schöne bunte Fernsehzukunft war abgesagt. Endzeitstimmung. Das Samsung TV blieb oft schwarz und spielte oft die Aus- und dann die Einschaltmelodie. Immer wieder. Ein eher meditatives Schleifenprogramm mit dunklem Schirm.

Ein Kontakt mit Samsung via Internet brachte zwei Dinge zu Tage:
1. Auch wenn der Defekt erstmals innerhalb in der Garantiezeit auftrat, beim Eingang der Meldung war die Garantiezeit gerade vorüber. Eine Garantieleistung wurde vom Samsung Service ausgeschlossen.
2. Das mit dem Defekt tat dem Samsung Service leid.

Die mitfühlende Kondolenzbekundung hatte aber keine Auswirkungen auf den Gerätefehler. Also schrieb ich auf Anraten des Services dann die Samsung Kundenbetreuung direkt an. Neben der bekannten Kondolenzbekundung gab es hier dann ein „Kulanzangebot“, wobei die 24 Monate Garantiezeit ja nun natürlich noch länger vorbei waren. Das der Fehler selbst innerhalb der Garantiezeit aufgetreten war, schien für Samsung weiterhin keine Rolle zu spielen. Aber: Für 150 – 200 Euro bot ein vermittelter Servicepartner an, die Sache zu richten. Nach meiner Schätzung ist das immerhin mehr als die Hälfte des aktuellen Gerätewertes und erscheint mir irgendwie nicht angemessen für einen Fehler, der ja immerhin innerhalb der Garantiezeit erstmalig auftrat.
Einen Serien – oder Materialfehler schloss die Samsung Kundenbetreuung im Übrigen ausdrücklich aus. So etwas wäre ja bekannt und die Firma Samsung würde dann entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Eine Google-Internetsuche unter „tv schaltet sich aus“ bot allerdings sofort die automatische Ergänzung mit dem Markennamen „samsung tv schaltet sich aus“ an. Und siehe da, ich bin nicht allein auf der Welt. Irgendwie haben wohl etliche Leute so ein „auto-off“ Problem. Betroffen scheinen jede Menge und selbst neue Fachbild-TVs überwiegend von Samsung. Aber natürlich kann da kein Serien- oder Materialfehler vorliegen, dass wäre Samsung ja bekannt und entsprechende Maßnahmen wären ergriffen worden.

Wer aber Lesen kann, ist im klar Vorteil. In einem Foren-Beitrag steht: Der Defekt lässt sich über die Optionen zum Energiesparen beeinflussen. Und tatsächlich, es wirkte auch bei meinem TV. Mit eingeschaltetem Energiesparmodus wurde das Bild zwar deutlich blasser und dunkler – aber das Gerät blieb nun eingeschaltet und alles funktionierte wie eh und je – nur eben ziemlich unbrillant. Das Gerät wurde so auch deutlich weniger warm.

Ein Schelm, der nun in folgende Richtung denkt: Könnte es vielleicht sein, dass es sich ganz einfach um ein Hitzeproblem handelt, das mit der Zeit durch ganz normalen Hausstaub entsteht? Ich habe zwar einen tierfreien Nichtraucher-Haushalt, aber Staub, statische Aufladung und Wärme sind ja bekanntlich nicht die besten Freunde der Elektronik.

Könnte Samsung dies als Hersteller nicht wissen oder irgendwie festgestellt haben? Sie produzieren schließlich die Geräte und doch scheint es dort noch nicht einmal bekannt zu sein, dass möglicherweise viele Kunden so ein Problem mit ihrem Samsung Fernseher haben.

Aber sei es wie es sei – wenn so ein elektronisches Gerät nach sehr begrenzter Betriebszeit nicht mehr so funktioniert wie es soll, ist das so manchem Hersteller sicherlich nicht ganz unrecht. Das jedenfalls wurde letztens noch zum Thema „geplante Obsoleszenz“ öffentlich bei mehreren Herstellern vermutet. Aber ist Hausstaub als TV-Killer planbar und wünschenswert? Ich weiß nur, es gibt beides wohl in fast jedem Haushalt.

Ist mir aber jetzt schlussendlich auch egal. Mein Samsung TV lasse ich nicht kostenpflichtig reparieren und werde so – wenn auch nicht gerade freiwillig – zum TV-Öko. Die Farben sind deshalb zwar blass und bleich, aber für ein B-Movie und die Nachrichten reicht es voll. Und am ökologisch wertvollsten ist es sowieso, ihn gar nicht erst anzuschalten.

Ob mein nächster Fernseher allerdings wieder ein Gerät der Firma Samsung sein wird, ist fraglich – zumal auch das Display meines Handys (aus dem selben Hause) bereits nach sehr kurzer Zeit schwarz blieb. Aber das wurde „Amazon-sei-Dank“ ganz schnell und unkompliziert geregelt.

Hier noch ein Satz in Richtung Samsung:
Bitte nehmen Sie meine Meinung einfach als konstruktive Kritik eines (von wohl mehreren) betroffenen Kunden. Wer sich nicht am Kunden orientiert, verliert ihn auf lange Sicht. Die Zukunft wird zeigen, ob es auch morgen noch wie Ihrer Werbung „Samsung – Turn On Tomorrow“ oder eher „Turns Off Tomorrow “ heißt.

Ich denke, Samsung ist ein sehr großes Unternehmen mit vielen interessanten Produkten. Für wie innovativ und lernfähig ich es halte, werde ich auch an meinem persönlichen Erleben festmachen und die Entwicklung zu „turn off – turn on“ bei mir und etlichen anderen Betroffenen sicherlich weiter verfolgen.

P.S.:
Es gibt natürlich keine Garantie, dass der genannte Forentipp zur Problemlösung bei automatischer Abschaltung mit den Einstellungen der „Optionen zum Energiesparen“ immer hilft. Mein Gerät läuft damit allerdings nun schon längere Zeit wieder störungsfrei und heizt sich deutlich weniger auf.
Alternativ habe ich das Auto-Abschalt-Problem auch mit Hilfe eines externen SAT-Receiver beseitigt. Dann lässt sich ebenfalls alles wieder ohne Zwangsabschaltung und sogar in satten Farben ohne Öko-Modus schauen. Mir scheint, der interne Triple-Tuner bereitet dem Samsung TV ein Hitzeproblem, das zur Abschaltung führt. 
Ich bin allerdings kein Techniker, sondern denke hier nur lösungsorientiert für mein eigenes Gerät.

P.P.S.: Es scheint an der Stromversorgung vom Netzteil zu liegen. Ein Tausch des Netzteils (via E-Bay für 87 Euro) versetzte das Gerät wieder in den ursprünglichen „Normalzustand“.
Es wundert mich nur, warum Samsung dieses Problem nicht als solches wahr nimmt. Oder ist es vielleicht gar kein Problem für sie, da es ja offensichtlich immer erst so nach etwa 2 Jahren ungefähr mit Ablauf der Garantie auftritt? Ein Schelm der Böses dabei denkt oder gar vermutet, dass minderwertige Qualität mit Absicht verbaut wird, um die Nachfrage aufrecht zu halten.

 

Sprache wird einfacher

Letztens bekam ich ein kleines Geschenk von einem Elektronikversender. Es handelt sich dabei um eine Unterlage für eine Maus mit vier weiteren USB-Geräteanschlüssen.
Der Produktname wurde mehrsprachig aufgedruckt. Im Englischen lautet er:
„USB Mouse Pad with 4-Port USB Hub“.
Im Deutschen ist er etwas anders. Da heißt das Gerät
„USB-Mousepad mit 4 Port USB-Hub“USB-Mousepad mit 4 Port USB-Hub
Ja, auch der Duden kennt ein Mouse Pad als eingedeutschtes Wort Mousepad und auch der Hub ist ein deutsches Wort und laut Duden ein „zentrales Teil oder Gerät, das eine Verbindung herstellt, das als Knotenpunkt dient“. Der USB steht denn auch im Duden als „Leitung zur Datenübertragung, die es ermöglicht, dass alle peripheren Komponenten eines Computers über einen Anschluss mit dem Computer verbunden werden und kommunizieren“. Der Port schließlich ist als Schnittstelle die ein peripheres Gerät mit dem Bus verbindet im Duden bezeichnet, wobei der Bus als „Sammelleitung zur Datenübertragung zwischen mehreren Funktionseinheiten eines Computers“ definiert wird.
So und jetzt mal der Name meines Geschenkes auf „altdeutsch“. Ich bekam also eine:
„Rechnersteuerungsmausunterlage mit Leitung zur Datenübertragung, die es ermöglicht, dass periphere Komponenten meines Computers über einen Anschluss mit dem Computer verbunden werden und kommunizieren, sowie einem zentrales Verbindungsteil, das als Knotenpunkt dient und als Anschluss für bis zu vier weitere Sammelleitungen zur Datenübertragung zwischen mehreren Funktionseinheiten meines Computers dienen kann.“
Da lobe ich mir doch das neue Deutsch, zumal es wohl auf der ganzen Welt verstanden wird, wenn ich sage, ich bekam ein „USB-Mousepad mit 4 Port USB-Hub“. Denn auf die unterschiedlichen Bindestriche und Worttrennungen im Englischen achtet nun wirklich kaum einer.